Was ist Amazon Marketing Cloud?

AMC ist eine Cloud-basierte Analyse-Umgebung, in der du Cross-Channel-Daten aus deinem Amazon-Werbe-Ökosystem zusammenführst und mit SQL abfragst. Du siehst keine Rohdaten und keine einzelnen Kundenprofile, sondern nur aggregierte Ergebnisse ab einer Mindest-Kohortengröße. Damit erfüllt AMC Datenschutz-Anforderungen und liefert trotzdem Insights, die in Seller Central oder im DSP-Frontend nicht sichtbar sind.

Wer hat Zugang zu AMC?

AMC ist nicht frei verfügbar. Du brauchst entweder einen aktiven Amazon DSP Account oder gehst über einen zertifizierten API-Partner. Sponsored-Ads-only-Konten ohne DSP haben keinen direkten Zugang. Das bedeutet in der Praxis: AMC ist für Brands mit ernsthaftem Werbebudget und parallelen Kanälen relevant.

Datenquellen und typische Use Cases

Datenquellen in AMC:

  • Sponsored Products, Sponsored Brands, Sponsored Display (Klicks, Impressions, Conversions auf Event-Ebene)
  • Amazon DSP (alle Impressions, Klicks, View-Through-Daten)
  • Amazon Shopping Insights (Detail-Page-Views, Käufe, ASIN-Bewegungen)
  • Eigene First-Party-Daten via Upload

Typische Use Cases:

  • Customer Journey: Welche Touchpoints hatte ein Käufer in den 30 Tagen vor Kauf? Wie oft DSP-Impression, wie oft Sponsored-Brands-Klick?
  • Audience Overlap: Wie groß ist die Schnittmenge zwischen Sponsored-Brands-Klickern und DSP-Retargeting-Audience?
  • Frequency Caps: Ab welcher Impressions-Frequenz pro User flacht der Uplift ab?
  • Attribution-Modelle: First-Touch vs. Last-Touch vs. Multi-Touch im Vergleich
  • New-to-Brand-Analysen: Welcher Kanal liefert die meisten Erstkäufer?

Das klassische AMC-Beispiel

Sponsored Brands meldet ROAS 4, DSP meldet ROAS 1,5. In AMC siehst du, dass 40 Prozent der Sponsored-Brands-Käufer vorher mindestens eine DSP-Impression hatten. Ohne DSP wären die Sponsored-Brands-Sales niedriger. Der Last-Click-ROAS von DSP lügt.

Optimierungs-Hebel

1. Mit Standard-Templates starten. Amazon liefert vorgefertigte Queries für Customer Journey, Path-to-Conversion, New-to-Brand. Damit kommst du in 1 bis 2 Tagen zu ersten Ergebnissen, ohne SQL schreiben zu müssen.

2. Custom Queries für eigene Fragen. Sobald die Templates an Grenzen stoßen, lohnt SQL. Typische Custom-Queries: Conquesting-Analyse gegen einen bestimmten Wettbewerber-Brand, Bundle-Cross-Sell zwischen zwei ASINs.

3. Audience-Overlap messen. Sponsored Brands und DSP haben oft 30 bis 60 Prozent Audience-Overlap. Wenn du das weißt, kannst du Budgets und Frequency Caps abstimmen.

4. AMC-Audiences zurück in DSP spielen. Aus AMC-Analysen kannst du Audience-Segmente bauen und diese in DSP als Retargeting-Audience aktivieren.

Häufige Fehler

AMC ohne klare Frage einsetzen. Wer "mal schauen, was AMC kann" macht, verbrennt Wochen. Erst Frage formulieren, dann Query bauen.

Insights ohne Action lassen. AMC-Reports, die nirgendwo zu einem Budget-Shift oder Audience-Änderung führen, sind verschwendetes Budget.

SQL-Kenntnisse unterschätzen. Auch wenn AMC SQL-light ist, brauchst du ein Grundverständnis von Joins und Subqueries. Ohne SQL bist du auf Templates beschränkt.

Verwandte Begriffe

  • Amazon DSP: die programmatische Plattform, deren Daten in AMC zusammenfließen
  • Sponsored Display: ein weiterer Datenlieferant in AMC
  • TACOS: AMC erweitert das TACOS-Bild um Cross-Channel-Effekte
  • Sponsored Brands: dessen Zusammenspiel mit DSP AMC sichtbar macht

Kurz zusammengefasst: AMC ist kein Tool für Anfänger und kein Tool für reine Sponsored-Ads-Accounts. Wer aber DSP und Sponsored Ads parallel fährt, sieht ohne AMC nur Silos. AMC macht das Zusammenspiel sichtbar und liefert die einzig belastbare Quelle für Cross-Channel-Attribution.